Rückstandsgrenzen einhalten durch systematische Reinigung

Das Kartoffel-Keimhemmungsmittel Chlorpropham (CIPC) ist europaweit nicht mehr zugelassen, die Aufbrauchfrist endet zum 8. Oktober 2020. Bereits für die aktuelle Ernte wird von der PVC (Potato Value Chain) empfohlen, das Mittel nicht mehr zu verwenden und vor Einlagerung die Kartoffellager gründlich zu reinigen. Zu berücksichtigen sind dabei alle kritischen Bereiche von den Ober- und Unterflurkanälen über die Lagerausrüstung bis hin zu den Maschinen. Klar ist: Durchkehren allein reicht nicht, um die Grenzwerte einzuhalten, und eine gründliche Reinigung sollte nicht nur einmal stattfinden.

Kartoffellager Chlorpropham

Keine Zulassung mehr für Chlorpropham

Im Herbst 2019 hat die EU-Kommission entschieden, die Zulassung für den Keimhemmer Chlorpropham nicht zu verlängern. Die Abverkaufsfrist galt bis zum 31. Januar 2020, die Aufbrauchfrist endet zum 8. Oktober 2020. Reste sind zu diesem Datum entsorgungspflichtig. Betroffen sind 22 Pflanzenschutzmittel:
Neo-Stop Starter, Neonet Start, Gro-Stop Ready, Polder Hot Fog, MitoFOG HN, Polder basic, Kartoffel-Keimstop, Polder Dust, Neo-Stop L300, NeoNet 300 HN, Polder Ultra 600, MitoFog 600, Gro-Stop Electro, Gro-Stop Basis, Cipc 300 EC, Keimstop 300 EC, Gro-Stop 1% DP, Kartoffelschutz Tixit Neu, Neo-Stop, Neonet Dust, Neo-Stop L500 und Gro-Stop Fog.

Der richtige Mix: Trocken- und Nassreinigung gegen CIPC

Wer bislang Chlorpropham eingesetzt hat, hat eine Mammutaufgabe vor sich: Um die neuen Rückstandshöchstgehalte nicht zu überschreiten, müssen das Lager und alle relevanten Bereiche von Spuren des nicht mehr zugelassenen Pflanzenschutzmittels befreit werden. Ansonsten drohen ein Vermarktungsverbot und damit die Vernichtung der Ernte. Um dies zu erreichen, empfiehlt die landtechnische Versuchsstation Dethlingen (Schwerpunkt Kartoffellagerung), eine Kombination aus Trocken- und Nassreinigung durchzuführen.

Trockenreinigung mit Aufsitzkehrmaschine

Die Trockenreinigung steht dabei an erster Stelle. Ein geeigneter Staubsauger mit Verlängerungsschlauch stellt dabei sicher, dass Staub und die darin enthaltenen CIPC-Partikel nicht aufgewirbelt, sondern von Wänden und anderen Oberflächen aufgenommen werden. Bei hartnäckigen Verschmutzungen können mechanische Hilfen wie Bürsten oder Kratzer die Leistung des Staubsaugers verstärken.

Der Staubsaugerfilter sollte regelmäßig gereinigt und bei Bedarf gewechselt werden. Um die Arbeit zu erleichtern, empfehlen sich Modelle mit automatischer Filterabreinigung. Der eingesammelte Schmutz kann in dafür vorgesehenen Auffangbeuteln wie gewohnt entsorgt werden. Die Böden lassen sich effizient mit Kehrmaschinen oder einem großen Staubsauger mit Fahrbahndüse bearbeiten.

Bodenreinigung mit Hochdruck

Im Anschluss an die Trockenreinigung sollte dort, wo das Ergebnis nicht zufriedenstellend ist, eine Nassreinigung erfolgen. Dafür kommen Heißwasser-Hochdruckreiniger zum Einsatz, wobei die Wassertemperatur mindestens bei 70°C liegen sollte. Der Druck sollte so eingestellt sein, dass verunreinigtes Material nicht übermäßig versprüht wird und sich nicht zu viel Aerosole bilden. Für Böden bringen Flächenreiniger mit Absaugung in Kombination mit Hochdruckreinigern schnell ein gutes Ergebnis, und das kontaminierte Wasser wird gleich eingesaugt. Gemäß Europäischer Wasserschutzrichtlinie dürfen Rückstände von Pflanzenschutzmitteln nicht in die Kanalisation abgeleitet werden, so dass das Abwasser aufgefangen und entsorgt werden muss. Stark kontaminierte oder schwer zugängliche Bereiche wie Druckkammer, Ventilatoren oder Verdampfer können mit Wasserdampf aus dem Heißwasserhochdruckreiniger oder aus einem Dampfreiniger wirksam von Rückständen befreit werden.

Ein schweres Erbe: Wirkstoff hält sich mehrere Jahre

Nach aktuellem Wissensstand befindet sich in den Gebäuden, in denen CIPC eingesetzt wurde, genügend Wirkstoff, um auch Jahre später eingelagerte Ware zu kontaminieren. Der Rückstandshöchstgehalt, der in Zukunft weiter gesenkt wird, lässt sich daher nur einhalten, wenn auch in den nächsten Jahren umfassende Reinigungsmaßnahmen vor Einlagerung der Ernte durchgeführt werden. Hilfreich beim Abbau der Rückstände sind zudem eine kontinuierliche Belüftung der Lagerräume während des Leerstandes sowie die Aufbewahrung mobiler Lagerausrüstung im Außenbereich. Abzuraten ist dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zufolge vom Einsatz von Chemikalien, denn dadurch kann sich Chlorpropham zu toxischen Metaboliten zersetzen.

Checkliste

Schrittweises Vorgehen, klare Dokumentation: Der Weg zur effektiven Reinigung

Neben den passenden Reinigungstechniken spielen vor allem das systematische Vorgehen sowie die nachvollziehbare Dokumentation eine große Rolle. So lässt sich bei einer Kontrolle nachweisen, dass alle Vorgaben erfüllt wurden – dies ist vor allem für den Abnehmer relevant, beispielsweise in der Kartoffelverarbeitung. Die Dokumentation der Reinigungsmaßnahmen sollte schriftlich und in Bildern erfolgen, mit Ort, Zeitpunkt und Art der Reinigung.

  • Generell gilt, dass die Arbeiten von Oben nach Unten zu erledigen sind, beginnend von Oberflurkanal und Decke über Wände und Einrichtungen hin zum Boden und Unterflurkanal.
  • Bei allen Reinigungsmaßnahmen müssen Anwender eine Persönliche Schutzausrüstung (PSA) tragen.
  • Wichtig ist, bei der Einrichtung keine wichtigen Bestandteile zu übersehen, wie beispielsweise Förderbänder, Kistenfüllgeräte, Lüfter oder Luftwege.
  • Mobile Lagereinrichtungen sollten nach draußen gebracht und dort gereinigt werden. Witterungseinflüsse tragen zusätzlich dazu bei, die CIPC-Kontamination zu reduzieren.
  • Auch Transportfahrzeuge müssen mit Heißwasser aus dem Hochdruckreiniger von möglichen Rückständen befreit werden.
  • Nach Ende jedes Einsatzes sollte man alle Reinigungswerkzeuge mit dem Hochdruckreiniger saubermachen.

Eine Checkliste für mehr Überblick: Abhaken hilft

Um einen plausiblen Nachweis für die Reinigungsarbeiten zu erbringen, eignet sich eine Checkliste samt Fotodokumentation. Enthalten sollten darin alle Einrichtungen sein, die zu bearbeiten sind. Dazu zählen im Wesentlichen: Druckkammer, Belüftungstechnik, Belüftungsturm, Über- und Unterflurkanäle, Wände, Gebäudeteile, Böden, Decke, Kisten, Anhänger, Annahmeeinrichtungen. Förderbänder, Verlade-Einrichtungen, Kühlung, Ventilatoren, Umwälzventilatoren oder Holzbalken, die als mobile Wände eingesetzt werden.

Sollen Einrichtungen ersetzt werden, empfiehlt sich zuvor eine umfassende Reinigung des gesamten Lagers, um keine Rückstände auf die neue Einrichtung zu übertragen.

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